1.7 Sensorik

Die Augen moderner Agrardrohnen

Sensoren als Grundlage der Präzisionslandwirtschaft

Einleitung

Der eigentliche Wert einer Agrardrohne liegt nicht in ihrer Flugplattform, sondern in der Qualität der erfassten Daten. Während Flugsteuerung und Navigation dafür sorgen, dass eine Mission präzise durchgeführt wird, liefern die Sensorsysteme die Informationen, auf deren Grundlage landwirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden.

Erst moderne Sensorik macht aus einer Drohne ein Messsystem.

Je nach Fragestellung kommen unterschiedliche Sensortechnologien zum Einsatz:

  • RGB-Kameras
  • Thermalkameras
  • Multispektralkameras
  • Hyperspektralsensoren
  • LiDAR-Systeme
  • RTK-GNSS

Diese Sensoren ergänzen sich gegenseitig und ermöglichen eine umfassende Bewertung landwirtschaftlicher Flächen.


Grundlagen der elektromagnetischen Strahlung

Alle optischen Sensoren arbeiten mit elektromagnetischer Strahlung.

Das elektromagnetische Spektrum umfasst unter anderem:

Bereich

Wellenlänge

Ultraviolett

100–400 nm

Sichtbares Licht

400–700 nm

Nahes Infrarot (NIR)

700–1300 nm

Kurzwelliges Infrarot

1300–2500 nm

Thermalinfrarot

8–14 µm

Während das menschliche Auge lediglich den sichtbaren Bereich wahrnimmt, erfassen moderne Sensorsysteme deutlich größere Spektralbereiche.

Dadurch werden Informationen sichtbar, die dem Menschen verborgen bleiben.


RGB-Kameras

Der Standard für Luftbildaufnahmen

RGB-Kameras gehören zur Grundausstattung nahezu jeder Drohne.

Sie erfassen Licht in den drei Farbkanälen:

  • Rot
  • Grün
  • Blau

Dadurch entstehen Bilder, wie sie auch das menschliche Auge wahrnimmt.


Einsatzgebiete

RGB-Aufnahmen eignen sich besonders für:

  • Dokumentation
  • Feldübersichten
  • Schadenskartierung
  • Orthofotos
  • Photogrammetrie
  • 3D-Rekonstruktion

Vorteile

  • hohe Auflösung
  • kostengünstig
  • einfache Auswertung
  • natürliche Farbdarstellung
  • ideal für OpenDroneMap

Grenzen

Viele Pflanzenkrankheiten verändern zunächst die Photosynthese, bevor sichtbare Farbänderungen auftreten.

RGB-Kameras erkennen diese frühen Veränderungen häufig nicht.


Thermalkameras

Temperatur sichtbar machen

Thermalkameras messen nicht reflektiertes Licht, sondern die von Objekten abgegebene Wärmestrahlung.

Dadurch entstehen Temperaturkarten.


Anwendungen

In der Landwirtschaft:

  • Trockenstress
  • Bewässerung
  • Wildrettung
  • Stallüberwachung
  • Defekte Beregnungsanlagen

Beispiel

Eine Pflanze mit Wassermangel schließt ihre Spaltöffnungen.

Die Verdunstung nimmt ab.

Dadurch steigt:

die Blattoberflächentemperatur.

Eine Thermalkamera erkennt diesen Unterschied häufig mehrere Tage bevor sichtbare Schäden auftreten.


Vorteile

  • unabhängig vom sichtbaren Licht
  • arbeitet auch bei Dämmerung
  • erkennt Temperaturunterschiede
  • ideal für Rehkitzrettung

Nachteile

  • geringere Auflösung
  • aufwendige Kalibrierung
  • Umwelteinflüsse berücksichtigen

LiDAR

Laserbasierte Entfernungsmessung

LiDAR steht für:

Light Detection And Ranging

Ein Laser sendet mehrere hunderttausend Lichtimpulse pro Sekunde aus.

Aus der Laufzeit des reflektierten Lichtes wird die Entfernung berechnet.


Ergebnis

Es entstehen:

  • Punktwolken
  • Geländemodelle
  • Oberflächenmodelle
  • Vegetationsmodelle

Anwendungen

LiDAR eignet sich besonders für:

  • Waldinventur
  • Biomasse
  • Baumhöhen
  • Geländevermessung
  • Erosionsanalysen
  • Drainagen

Vorteile

  • extrem präzise
  • unabhängig von Texturen
  • auch unter Vegetation nutzbar
  • hohe Genauigkeit

Nachteile

  • hohe Anschaffungskosten
  • große Datenmengen
  • leistungsfähige Rechner erforderlich

RTK-GNSS

Zentimetergenaue Navigation

RTK bedeutet:

Real Time Kinematic

Im Gegensatz zum normalen GPS werden Korrekturdaten einer Referenzstation genutzt.

Dadurch verbessert sich die Positionsgenauigkeit erheblich.


Typische Genauigkeiten

Verfahren

Genauigkeit

GPS

3–10 Meter

DGPS

0,5–2 Meter

RTK

1–3 Zentimeter


Bedeutung

RTK ist entscheidend für:

  • wiederholbare Missionen
  • Orthofotos
  • Photogrammetrie
  • Applikationskarten
  • Vermessung

Komponenten

  • GNSS-Empfänger
  • Basisstation
  • Rover
  • Korrekturdaten
  • Mehrfrequenzempfänger

Multispektralsensoren

Mehr sehen als das menschliche Auge

Multispektralkameras messen mehrere ausgewählte Wellenlängenbereiche.

Typische Kanäle:

  • Blau
  • Grün
  • Rot
  • Red Edge
  • Nahes Infrarot

Vegetationsindizes

Bekannte Beispiele:

  • NDVI
  • GNDVI
  • NDRE
  • SAVI
  • EVI

Diese liefern Informationen über:

  • Chlorophyll
  • Photosynthese
  • Stickstoffversorgung
  • Pflanzenstress
  • Biomasse

Vorteile

  • etablierte Technik
  • relativ kompakt
  • schnelle Auswertung
  • ideal für Precision Farming

Hyperspektralsensoren

Spektrale Fingerabdrücke

Hyperspektralkameras messen nicht fünf oder sechs Kanäle,

sondern häufig:

100

200

300

oder sogar über 400 Spektralbänder.

Dadurch besitzt jedes Objekt einen nahezu eindeutigen spektralen Fingerabdruck.


Anwendungen

Hyperspektralsensoren ermöglichen unter anderem:

  • Pflanzenarten unterscheiden
  • Krankheiten erkennen
  • Nährstoffanalysen
  • Bodenuntersuchungen
  • Forschung
  • Qualitätskontrolle

Vorteile

  • höchste Informationsdichte
  • wissenschaftliche Anwendungen
  • sehr präzise Analysen

Nachteile

  • sehr teuer
  • enorme Datenmengen
  • komplexe Auswertung
  • KI-Verfahren häufig erforderlich

Vergleich der Sensoren

Sensor

Hauptaufgabe

RGB

Dokumentation und Photogrammetrie

Thermal

Temperaturmessung

LiDAR

3D-Geometrie

RTK

Positionierung

Multispektral

Vegetationsanalyse

Hyperspektral

Wissenschaftliche Analysen


Sensorfusion

Die größte Stärke moderner Agrardrohnen liegt in der Kombination mehrerer Sensoren.

Ein Beispiel:

  • RGB
  • Orthofoto

  • Multispektral
  • NDVI

  • Thermal
  • Trockenstress

  • RTK
  • Georeferenzierung

  • LiDAR
  • 3D-Höhenmodell

Erst die Zusammenführung dieser Informationen ermöglicht eine präzise Bewertung des Pflanzenbestands und unterstützt fundierte Entscheidungen im Precision Farming.


Zukunft der Sensorik

Die Entwicklung geht in Richtung integrierter Sensorsysteme, die mehrere Messverfahren in einer Plattform vereinen. Künstliche Intelligenz unterstützt zunehmend die automatische Auswertung großer Datenmengen und erkennt Muster, die mit klassischen Verfahren kaum zu identifizieren wären.

Zukünftige Agrardrohnen werden voraussichtlich standardmäßig mehrere Sensoren gleichzeitig tragen und deren Daten in Echtzeit fusionieren. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Erkennung von Pflanzenkrankheiten, die Optimierung der Bewässerung und die Erstellung präziser Ertragsprognosen.