1.1 Die Landwirtschaft im Wandel

Warum Digitalisierung heute unverzichtbar ist

Die Landwirtschaft zählt zu den ältesten Wirtschaftszweigen der Menschheit und bildet seit Jahrtausenden die Grundlage der Ernährungssicherung. Während sich Anbaumethoden über lange Zeiträume nur langsam entwickelten, befindet sich die Landwirtschaft seit Beginn des 21. Jahrhunderts in einem tiefgreifenden technologischen Wandel. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien, satellitengestützte Navigationssysteme, Sensorik, Robotik und unbemannte Luftfahrzeuge (Unmanned Aerial Vehicles – UAV) verändern zunehmend die Art und Weise, wie landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaftet werden.

Diese Entwicklung wird unter Begriffen wie Precision Farming, Smart Farming oder Digital Farming zusammengefasst. Ziel ist es, Entscheidungen auf Grundlage präziser Daten zu treffen, Ressourcen effizient einzusetzen und gleichzeitig Umweltbelastungen zu reduzieren. Digitale Technologien ersetzen dabei nicht den Landwirt, sondern erweitern dessen Möglichkeiten, fundierte Entscheidungen auf Basis objektiver Messdaten zu treffen.

Mehrere globale Entwicklungen machen diese Digitalisierung nicht nur sinnvoll, sondern zunehmend notwendig.


Bevölkerungswachstum – steigender Nahrungsmittelbedarf

Nach Prognosen der Vereinten Nationen wird die Weltbevölkerung bis zur Mitte des Jahrhunderts auf nahezu zehn Milliarden Menschen anwachsen. Mit jedem zusätzlichen Menschen steigt die Nachfrage nach Nahrungsmitteln, Futtermitteln und nachwachsenden Rohstoffen. Gleichzeitig steht nur eine begrenzte landwirtschaftliche Nutzfläche zur Verfügung.

Die Herausforderung besteht darin, höhere Erträge zu erzielen, ohne die Umwelt stärker zu belasten. Eine weitere Ausdehnung landwirtschaftlicher Flächen ist vielerorts weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll. Stattdessen muss die Produktivität bestehender Flächen verbessert werden.

Hier setzt die Präzisionslandwirtschaft an. Durch den Einsatz moderner Sensorik lassen sich Unterschiede innerhalb eines Feldes erkennen und gezielt bewirtschaften. Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und Wasser werden nicht mehr gleichmäßig verteilt, sondern bedarfsgerecht ausgebracht. Dadurch können Erträge gesteigert und gleichzeitig Betriebsmittel eingespart werden.


Klimawandel – neue Herausforderungen für landwirtschaftliche Betriebe

Neben dem Bevölkerungswachstum zählt der Klimawandel zu den größten Herausforderungen der modernen Landwirtschaft. Steigende Durchschnittstemperaturen, häufigere Trockenperioden, Starkregenereignisse und extreme Wetterlagen führen zu erheblichen Unsicherheiten in der Pflanzenproduktion.

Bereits geringe Veränderungen der Bodenfeuchte oder der Temperatur können erhebliche Auswirkungen auf Wachstum, Ertrag und Pflanzengesundheit haben. Gleichzeitig treten Schädlinge und Pflanzenkrankheiten zunehmend früher und in neuen Regionen auf.

Digitale Technologien ermöglichen eine kontinuierliche Überwachung dieser Veränderungen. Drohnen können innerhalb weniger Minuten große Flächen erfassen und mithilfe von Multispektral- oder Thermalkameras frühzeitig Stresssymptome der Pflanzen erkennen. Dadurch lassen sich Gegenmaßnahmen oftmals einleiten, bevor sichtbare Schäden entstehen.

Die Kombination aus Wetterdaten, Bodenfeuchtesensoren und Luftbildaufnahmen schafft eine wesentlich bessere Entscheidungsgrundlage als traditionelle Sichtkontrollen.


Ressourcenknappheit – nachhaltiger Einsatz von Betriebsmitteln

Wasser, Energie und Düngemittel gehören zu den wichtigsten Produktionsfaktoren der Landwirtschaft. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an deren sparsamen und umweltverträglichen Einsatz.

Insbesondere Stickstoffdünger stellt einen erheblichen Kostenfaktor dar. Eine Überdüngung belastet Gewässer und Böden, während eine Unterversorgung unmittelbar zu Ertragseinbußen führen kann.

Moderne Sensortechnik ermöglicht es, den tatsächlichen Bedarf einzelner Teilflächen eines Feldes zu bestimmen. Vegetationsindizes wie der Normalized Difference Vegetation Index (NDVI) liefern Hinweise auf die Vitalität der Pflanzen und unterstützen eine teilflächenspezifische Düngung.

Auch im Bereich der Bewässerung gewinnen digitale Verfahren an Bedeutung. Wärmebildkameras erkennen Unterschiede in der Blattoberflächentemperatur und ermöglichen Rückschlüsse auf den Wasserstress einzelner Pflanzenbestände. Dadurch kann Wasser gezielt dort eingesetzt werden, wo es tatsächlich benötigt wird.

Der ressourcenschonende Einsatz von Betriebsmitteln reduziert nicht nur Kosten, sondern trägt wesentlich zum Schutz natürlicher Ökosysteme bei.


Steigende Betriebskosten – Effizienz als Wettbewerbsfaktor

Landwirtschaftliche Betriebe sehen sich seit Jahren mit steigenden Kosten konfrontiert. Energiepreise, Kraftstoffkosten, Ersatzteile, Maschinen sowie Betriebsmittel unterliegen erheblichen Preisschwankungen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Dokumentation, Qualitätssicherung und Umweltauflagen.

Unter diesen Bedingungen gewinnt die wirtschaftliche Effizienz zunehmend an Bedeutung.

Digitale Systeme ermöglichen eine präzisere Planung landwirtschaftlicher Maßnahmen. Drohnen übernehmen beispielsweise die schnelle Erfassung großer Flächen und reduzieren den Aufwand manueller Feldkontrollen erheblich. Schäden nach Unwettern, Wildverbiss oder Schädlingsbefall lassen sich innerhalb kurzer Zeit dokumentieren.

Durch automatisierte Flugmissionen können regelmäßig aktuelle Daten erhoben und Veränderungen objektiv bewertet werden. Dies verbessert die Planbarkeit betrieblicher Entscheidungen und reduziert unnötige Arbeitsgänge.


Fachkräftemangel – Automatisierung als Unterstützung

Auch die Landwirtschaft ist vom zunehmenden Fachkräftemangel betroffen. Insbesondere saisonale Arbeitskräfte stehen vielerorts nur eingeschränkt zur Verfügung. Gleichzeitig nimmt der Dokumentationsaufwand kontinuierlich zu.

Digitale Technologien können den Menschen nicht ersetzen, jedoch zahlreiche Routineaufgaben unterstützen oder automatisieren.

Autonom geplante Drohnenmissionen erfassen innerhalb kurzer Zeit mehrere Hektar landwirtschaftlicher Fläche. Die gewonnenen Daten werden anschließend automatisiert ausgewertet und in digitale Karten überführt.

Dadurch können Fachkräfte ihre Arbeitszeit verstärkt für Entscheidungen und praktische Maßnahmen einsetzen, anstatt umfangreiche Kontrollgänge durchzuführen.

Mit fortschreitender Entwicklung künstlicher Intelligenz werden künftig auch automatische Erkennungssysteme für Pflanzenkrankheiten, Schädlingsbefall oder Nährstoffmangel an Bedeutung gewinnen.


Digitalisierung als Schlüsseltechnologie

Die Digitalisierung der Landwirtschaft verfolgt nicht das Ziel, traditionelle Erfahrung zu ersetzen. Vielmehr ergänzt sie das Wissen des Landwirts durch objektive Messdaten, hochauflösende Luftbilder und automatisierte Analysen.

Agrardrohnen bilden dabei eine zentrale Schnittstelle zwischen moderner Sensorik, satellitengestützter Navigation und intelligenter Datenauswertung. Sie liefern aktuelle Informationen direkt aus dem Feld und ermöglichen eine deutlich präzisere Bewirtschaftung als konventionelle Verfahren.

In Kombination mit Open-Source-Flugsteuerungen wie ArduPilot, PX4 oder INAV, leistungsfähigen GNSS-Systemen sowie freier Auswertesoftware wie OpenDroneMap entstehen leistungsfähige Gesamtsysteme, die sowohl für Forschungseinrichtungen als auch für landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich interessant sind.